»Wir lieben diesen wunderbar flexiblen, alten und gleichzeitig modernen Baustoff für diffundierende Sichtflächen innen, für großflächige lebendige Fassaden außen.«

Hilmer und Sattler/Albrecht, aus Vorteile, Das Backstein-Magazin 2015

DAS GOTISCHE VIERTEL

Der Stadtraum zwischen dem Archidiakonat auf dem St.-Marien-Kirchplatz und der Georgenkirche in der Hansestadt Wismar wird als Gotisches Viertel bezeichnet. Die Anordnung von St. Marien mit einer historischen Gruppierung kleinerer, aber besonders wertvoller Bauten im unmittelbaren Umfeld darunter die ALTE SCHULE war ein Alleinstellungsmerkmal und diente dem Prinzip, das „Riesenhafte“ der Proportionen des Kirchenschiffes und des Turmes noch zu steigern und zur vollsten Geltung zu bringen.
Wegen seiner hohen baugeschichtlichen Wertigkeit war das Gotische Viertel ein von der Fachwelt anerkanntes städtebauliches Ensemble von europäischem Rang, vermutlich sogar von Weltgeltung. Die Bombardierung dieses Areals im April 1945 hat schweren Schaden angerichtet, der mit dem Wiederaufbau der Georgenkirche abgemildert wurde. Der Verlust der ALTEN SCHULE jedoch ist eine Leerstelle im Ensemble, die geschlossen werden muss und kann.

Was genau soll getan werden?

Verlust

Die Zerstörung des Gotischen Viertels im Zentrum von Wismar am Ende des 2. Weltkrieges und die Sprengung der Ruine des Kirchenschiffes der Marienkirche 1960 sind für die Hansestadt ein unwiederbringlicher Verlust. Alle Möglichkeiten einer Teilrekonstruktion sollten ausgeschöpft werden.

Historisches Ensemble

Die historische Anordnung gotischer Gebäude im Umfeld der St.-Marien-Kirche (Foto 1) entsprach höchster Stadtbaukunst. Die Marienkirche war der überragende Mittelpunkt des Gotischen Viertels. Um die Marienkirche gruppierten sich besonders wertvolle Bauten. Jedes Gebäude war ein eigenständiges Kunstwerk, an charakteristische Stellen in der Nachbarschaft der Kirche gesetzt und in Proportionen gehalten, um das „Riesenhafte“ des Kirchenschiffes von St. Marien und die Höhe des Turmes zu steigern und zur vollsten Geltung zu bringen.

Dazu zählten die Alte Schule (Foto 2) - kriegszerstört, aber in Teilen erhalten, das Archidiakonat (Foto 3)- kriegsbeschädigt und teilweise wieder aufgebaut, die Superintendentur - kriegszerstört und abgetragen, die Kapelle Maria Weiden (Foto 4) - kriegsbeschädigt und 1960 abgerissen, sowie die Banzkowsche Sühnekapelle -1850 abgebrochen.

Bartningkirche

Als Notkirche in den 1950er Jahren unter Verwendung von Steinen der Superintendentur gebaut, wurde eine der 55 in Deutschland gebauten Bartningkirchen ins Gotische Viertel eingefügt und steht heute bereits unter Denkmalschutz. Dieser Nachkriegsbau hilft den Wismarern, die Verluste der Kriegszerstörung besser zu verkraften.

Von Sankt Marien und Sankt Georgen

Weniger als 100 m entfernt, erhebt sich die Schwester-Kirche St. Georgen (Foto 1), die Basilika des zu Ende gehenden Mittelalters, die durch ihre komplizierte Baugeschichte eine sehr eigenwillige Wirkung erzielt, zu einem gigantisch aufgetürmten Baukomplex. Gleichfalls 1945 kriegszerstört, erlebte Sankt Georgen zwischen 1990 und 2010 seine Auferstehung.

Zur Geschichte des Gotischen Viertels

Streng genommen bezeichnet das „Gotische Viertel“ als Variante des über Jahrhunderte gepflegten Begriffs „Gotischer Winkel“ den Bereich der Bauten um die Marienkirche. Seit der Zerstörung beider gotischen Backsteinkathedralen wird er synonym für den Bereich des Marienkirchplatzes und des Georgenkirchhofs mit der Georgenkirche verwendet.

Zur Zukunft des Gotischen Viertels

1. Der immer noch vorhandene Städtebauliche Missstand im Bereich des Marienkirchplatzes kann kurz bis mittelfristig behoben werden, sobald die Planungen für den Wiederaufbau der Alten Schule umgesetzt werden.

2. Im Bereich der Marienkirche  müssen die archäologischen Grabungen zu Ende geführt werden.

3. Eine Aufmauerung der Säulenstümpfe ist zwingend notwendig, um die Erkennbarkeit als Kirchenschiff zu erzielen.

4. Der Abschluss der Aufmauerung der Umfassungsmauern sollte in einer vor Vandalismus sicheren Höhe erfolgen.

Nutzung

Nach Abschluss dieser Bauarbeiten könnte der Marienkirchplatz die frühen Bildzeugnisse von ca. 180 gut erhaltenen Grabplatten aus der historischen Marienkirche aufnehmen und der Bevölkerung und den Gästen der Stadt einen innerstädtischen Ruhe- und Verweilraum in der Qualität eines Klostergartens bieten.

Bitte unterstützen Sie uns bei der Einforderung dieses Konzeptes!

Das Europäisches Zentrum der Backsteinbaukunst hat seine Bereitschaft signalisiert, die Alte Schule zu übernehmen und einer geeigneten öffentlichen Nutzung zuzuführen.

Die Alte Schule

Bedeutende Kunsthistoriker kennzeichneten die Alte Schule in vielerlei Schriftsätzen als außergewöhnlichstes und deutschlandweit schönstes Gebäude der Backsteingotik.
Die Alte Schule war nicht nur ein architektonisches Kleinod, nicht nur Teil der verlorenen Mitte der Stadt, sondern war die Seele unserer historischen Altstadt.
Kriegszerstört, aber im Untergeschoss erhalten, wartet die ALTE SCHULE seit 80 Jahren auf ihren Wiederaufbau. Die ersten Schritte dazu sind längst gemacht, und Fachleute sichern zu, dass der freigelegte und teilsanierte Keller problemlos die noch fehlenden zwei Obergeschosse tragen könnte. Die Planungen sind weit gediehen, ein originalgetreuer Wiederaufbau ist möglich, weil es Fotos gibt, auf denen die „Backsteine“ abzählbar sind und dem Original entsprechend wieder aufgeschichtet werden könnten. Der Welterbe-Status Wismars würde nicht beeinträchtigt  – im Gegenteil: Wir erführen Respekt  und Anerkennung für den Mut zum Wiederaufbau. Weltweit werden kriegszerstörte Gebäude, auch mit staatlicher Unterstützung, auf den Zustand vor ihrer Zerstörung rekonstruiert.

Das 2005 von Prof. Dr. Gottfried Kiesow, dem „Vater“ der wieder aufgebauten St.-Georgen-Kirche, gegründete Backsteinzentrum will in Erbbaurecht die Verantwortung für den Wiederaufbau übernehmen und auch entsprechende Mittel einwerben. Ein Übernahmeantrag einschließlich eines Wiederaufbau- und Nutzungskonzeptes liegt der Stadt seit 2009 und in mehrmaliger Wiederholung sowie Fortschreibung vor. Als Nutzung sind Veranstaltungs- und Ausstellungsräume sowie Büros für Vereine und Initiativen vorgesehen.

Die ALTE SCHULE wäre ein schönes Geschenk, das sich die Hansestadt Wismar zu ihrem 800. Geburtstag machen könnte.
Außerdem könnte Wismar ohnehin eine Initiative für überregionale und internationale Aufmerksamkeit und einen Impuls für die Innenstadt gut gebrauchen.

Wir sollten nicht mehr warten, fangen wir an!

WIEDERAUFBAU ALTE SCHULE JETZT!

(Fotoquelle: Archiv der Hansestadt Wismar)

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