Kongress Backsteinbaukunst 2026 erfolgreich beendet
Am 3. und 4. September 2026 veranstalteten die Welterbe- und Hansestädte Wismar, Stralsund, Lübeck und Rostock gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Europäischen Zentrum der Backsteinbaukunst e. V. den 21. Internationalen Kongress zur Backsteinbaukunst in Europa. Dieser Kongress stand unter dem Motto: "Backstein – er hat Kulturgeschichte geschrieben". Die Referentinnen und Referenten haben den Beweis für die Richtigkeit dieser Aussage geführt.
In ihren Vortragsthemen spiegelten sich der besondere Stellenwert des Backsteins in der Kulturgeschichte Europas und die Vielfalt des Backsteins als zeitloses und universelles Baumaterial wider. Zeitlich führten die Fachvorträge durch 7000 Jahre Kulturgeschichte – vom 5. Jahrtausend vor Christus bis in die Gegenwart. „Aber auch räumlich haben wir die Flügel weit ausgespannt“, bilanzierte die Hauptmoderatorin Béatrice Busjan. Im Fokus standen europäische Regionen von Spanien im Westen bis Transsylvanien im Osten, darüber hinaus ging es um die Nutzung dieses Baustoffes in Asien, auf den Gebieten des Iran und des Irak, sowie in Nordafrika, nämlich in Tunesien. Bewusst wurden in den zwei Tagungstagen auch Personen in den Blick genommen: die Architekten Höger und Mendelsohn, Klarwein und Bertschy sowie die Architekten um Antonio Gaudi. Außerdem der Handwerker „Wilhelm“ aus Mitau sowie Wilhelm Riege in seiner Doppelrolle als Ziegeleibesitzer aus Preekuln sowie als Auftraggeber für Bertschy.
Neben den Vorträgen und der Diskussion wurden mit Erfolg auch neue Formate ausprobiert: das Interview mit dem langjährigen Wismarer Bürgermeister Thomas Beyer und die Präsentation von „Lieblingsstücken“ durch die Schüler Tora Barfels aus Wismar und Jurij Rütenik aus Bamberg.
Thomas Beyer räumte ein, er sei zu Beginn seiner Bürgermeisterzeit skeptisch gewesen, wie langlebig eine Kongressreihe zur Backsteinbaukunst sein kann. Die diesjährige Tagung habe erneut gezeigt: Das Thema Backsteinbaukunst ist unerschöpflich. So steht denn auch der Termin für das kommende Jahr schon fest: Am 2. und 3. September 2027 versammeln sich erneut Architekten und Architektinnen, Bauforscherinnen und Kunsthistoriker, Stadtplaner und Denkmalpflegerinnen sowie Liebhaber und Liebhaberinnen der Backsteinbaukunst in der Wismarer Georgenkirche – dann zum 22. Internationalen Kongress Backsteinbaukunst.
Vorbereitet und organisiert werden die Kongresse ehrenamtlich von Mitgliedern des Europäischen Zentrums der Backsteinbaukunst e. V. Gefördert wird die Veranstaltungsreihe von den vier Hansestädten, dem Land Mecklenburg-Vorpommern, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz,dem Landkreis Nordwestmecklenburg, der Sparkassenstiftung Mecklenburg-Nordwest, der Agerholm Gemeinnützigen Stiftung Wismar, der Wohnungsbaugesellschaft Wismar, der Bürgerstiftung Wismar, dem Förderverein Redentiner Osterspiel e. V., dem Altstadtverein Wismar e. V., den EGGER Holzstoffwerken Wismar sowie zahlreichen Privatpersonen.
Foto (Eiko Wenzel): Die Backsteinkongresse finden in der Georgenkirche Wismar statt.
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Wismar ehrt Prof. Dr. Wilfried Wang
Bereits vor mehr als zwanzig Jahren hat die Hansestadt Wismar auf den Sachverstand und die kritische Begleitung gesetzt, als sie Prof. Dr. Wilfried Wang für den ersten UNESCO-Sachverständigenbeirat der Stadt gewinnen konnte. Als Vorsitzender und Sprecher dieses Beirats gab er wesentliche Impulse für die Entwicklung einer Stadtarchitektur, die der Qualität des Weltkulturerbes entspricht. Im Rahmen des 21. Internationalen Backstein-Kongresses würdigte die Stadt Wismar dieses Engagement mit dieser Laudatio, vorgetragen von Béatrice Busjan, Kunsthistorikerin und langjährige Direktorin des Wismarer Schabbell-Hauses:
Lieber, sehr verehrter Herr Prof. Wang,
es ist mir eine Ehre, dass ich für das Europäische Backsteinzentrum und die Hansestadt Wismar heute eine Laudatio auf Sie halten darf.
Über eines Ihrer Bücher, lieber Herr Prof. Wang, schrieb eine Rezensentin, die darin versammelten Essays seien anspruchsvoll und erforderten Konzentration. Ja, das ist auch unsere Erfahrung: Wilfried Wang, schenkt seinem Gegenüber nichts. Sie fordern uns heraus, machen sichtbar, geben dem Wichtigen Gewicht, fordern Verantwortung, Ehrgeiz sowie Unerschrockenheit und verweigern sich konsequent vermeintlichen Zwängen.
Im Mai dieses Jahres, genauer: am 22. Mai 2026, hat Ihnen die Österreichische Republik eine der höchsten österreichischen Bundesauszeichnungen für Leistungen in Wissenschaft und Kunst verliehen - das Ehrenkreuz erster Klasse für Wissenschaft und Kunst. Die österreichische Republik erwies Ihnen diese Ehrung insbesondere für Ihr jahrzehntelanges Engagement für die internationale Sichtbarkeit und Vermittlung österreichischer Architektur. Wir gratulieren Ihnen sehr herzlich zu dieser hohen Auszeichnung und Anerkennung.
Bereits vor mehr als zwanzig Jahren hat die Hansestadt Wismar auf Ihren Sachverstand und Ihre kritische Begleitung gesetzt, als sie Sie für den ersten UNESCO-Sachverständigenbeirat der Stadt gewinnen konnte. Als Vorsitzender und Sprecher dieses Beirats gaben Sie wesentliche Impulse für die Entwicklung einer Stadtarchitektur, die der Qualität des Weltkulturerbes entspricht.
Ihre Lehrtätigkeiten haben Sie inzwischen einmal um die Welt geführt. Aktuell lehren Sie an der Tongji Universität in Shanghai. Und dennoch: Wann immer es Ihr Kalender erlaubt, bereichern Sie den Internationalen Kongress zur Backsteinbaukunst hier in St. Georgen mit Ihren Vorträgen, Gedanken und Impulsen. Dafür sind wir Ihnen sehr dankbar und verbunden.
Hanseaten verleihen bekanntlich keine Orden. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht Mittel und Wege fänden, unserer Wertschätzung Ausdruck zu verleihen. Mit der Restaurierung von St. Georgen rückte jeder einzelne Stein dieses ungeheuren Baues neu in den Blickpunkt. Bundespräsidenten, gekrönte Häupter, Stifter und andere herausragende Personen haben solche Steine jeweils auf Einladung des amtierenden Bürgermeisters bereits mit ihren Namenszeichen versehen.
Es wäre uns eine große Ehre, wenn Sie diesen historischen Formstein, der aus der Restaurierung von St. Georgen stammt, unterzeichnen würden. Das österreichische Ehrenkreuz kann man am Revers tragen. Für Ihren Stein möchten wir Ihnen vorschlagen, dass Sie ihn hier in St. Georgen deponieren. So sind wir in Verbindung, auch wenn Sie in der Welt unterwegs sind.
Sehr verehrter Herr Prof. Wang, wir danken Ihnen von Herzen für Ihre stets ebenso wohlwollende wie herausfordernde Begleitung der Hansestadt Wismar und ihres baukulturellen Erbes, das wir als Teil einer internationalen Werte- und Kulturgemeinschaft verstehen und – gemeinsam mit Ihnen – für die Zukunft entwickeln wollen.
Foto (Eiko Wenzel): Im Beisein von Bürgermeister Frank Junge signierte Prof. Dr. Wang (li.) einen historischen Formstein.
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